Berichte von den Veranstaltungen des Südtiroler Forstvereines

Praxistag des Südtiroler Forstvereins zu Wiesenbrütern und Wasservögeln am 11. Juni 2026 im Obervinschgau

Mit dem Bus ging es vom äußersten Osten des Landes zum äußersten Westen, nach St. Valentin auf der Haide.
Nach einem gemeinsamen Frühstück im Hotel-Restaurant Alpenrose (das „neina“ stand um 9 Uhr schon bereit!) einen Steinwurf vom Haider See entfernt wurden die Teilnehmenden vom designierten Direktor des Forstinspektorates Schlanders Andreas Platter sowie dem Leiter der Forststation Mals Andreas Klotz begrüßt, in das „Wiesenbrüterprojekt“ auf der Malser Haide eingeführt und mit drei Zahlen über den Haider See informiert: er ist 88 ha groß, hat aber durch seine größere Tiefe dasselbe Wasser-volumen wie der fast doppelt so große Kalterersee (6 Mio m³) und 75% seines Ufers wird landwirtschaftlich genutzt.
Das Projekt „Wiesenvögel der Malser Haide“ wurde im Jahr 2021 ins Leben gerufen und verfolgt das Ziel, Wiesenbrüter zu schützen, ihren Lebensraum zu erhalten und ihren Bruterfolg zu verbessern. Da die Bestände dieser Vogelarten in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen oder mancherorts bereits ganz verschwunden sind, leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Arten- und Lebensraumschutz.
Voraussetzung für den Schutz der Vögel ist die späte Mahd der betroffenen Wiesen. Je nach Zone erfolgt diese erst Anfang bis Mitte Juli. Die teilnehmenden Landwirte erhalten für den Aus-fall eines Schnittes – wenn sie Heu mähen, ernten die anderen schon Grummet - und die geringere Futterqualität durch den verspäteten Schnitt – das Gras ist schwerer verdaulich und weniger nährstoffreich - eine Entschädigung in Form einer Flächenprämie von rund 600 Euro pro Hektar.
Anschließend stellten der Direktor des Forstinspektorates Welsberg Günther Pörnbacher und der Leiter der Forststation Toblach Dietmar Lanz das Wiesenbrüterprojekt des Oberpustertals vor.
Dieses orientiert sich in wesentlichen Punkten am Vorbild der Malser Haide und wurde 2025 ins Leben gerufen, heuer machen schon 38 Betriebe mit einer Gesamtfläche von 80 ha mit. Da auch im Oberpustertal eine intensive Dauergrünlandbewirtschaftung betrieben wird, sind dort ebenso die Bestände der Wiesenbrüter rückläufig. Der charakteristische Gesang der Feldlerche war z.B. laut Aussagen von Dietmar Lanz in den vergangenen Jahren, im Unterschied zu früher, kaum oder gar nicht mehr zu hören.
Die Landwirte zu überzeugen, ihre Gewohnheiten bezüglich Heumahd zu ändern, gilt als die große Herausforderung des Projektes, zumal überständiges Gras für Hochleistungsrinder schlechter nutzbar ist und meist auf einen ganzen Schnitt pro Saison verzichtet werden muss. Gute Kommunikation, Beratung und Überzeugungsarbeit sind notwendig, da das Projekt ohne die Bereitschaft und Freiwilligkeit der Landwirte nicht funktioniert.
Bereits kleine Flächen, die für den Landwirt aufgrund ihrer Entfernung zum Hof oder ihrer topografischen Gegebenheiten (Hangneigung) eine untergeordnete Rolle für den Betrieb spielen, können für das Überleben der Vögel einen großen Beitrag leisten.
In seiner Sprachgewandtheit brachte Günther Pörnbacher dieses Engagement für den Naturschutz auf den Punkt bzw. in einen Satz: „Nur wer selbst einen Vogel hat, kann eine gute Idee ausbrüten.“

Nicht nur die spätere Mahd, auch eine maßvolle Düngung tragen dazu bei, den Bruterfolg der Wiesenbrüter zu erhöhen. Von diesen Maßnahmen profitieren jedoch nicht nur die Vögel. Auch die Pflanzenvielfalt nimmt zu, da mehr Arten aussamen können. Gleichzeitig steigen auch Diversität und Biomasse der Insekten, was wiederum zahlreiche Vogelarten anlockt und die Aufzucht der Brut ermöglicht.
Im Anschluss wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen aufgeteilt, die abwechselnd je eine Führung erhielten. Eine Gruppe beobachtete gemeinsam mit Johannes Ruepp, einem Schludernser, den es als Biologen und Mittelschullehrer ins Pustertal verschlagen hat, am Schuttkegel der Malser Haide Richtung Plawenn verschiedene Hecken- und Wiesenbrüter wie Neuntöter, Goldammer, Braunkehlchen (auf der roten Liste der gefährdeten Vögel), Feldlerche, Wachtel und Wachtelkönig.
Dabei wurde auf die Besonderheiten der einzelnen Arten eingegangen und auch die Bedeutung einer gezielten Information der Bevölkerung hervorgehoben, etwa durch Hinweistafeln, welche auf die späte Mahd zum Schutz der Wiesenbrüter aufmerksam machen. Es wurde deutlich, dass viele Wiesenbrüter zu den Verlierern des Klimawandels zählen, da durch die Erderwärmung die einst gute Abstimmung zwischen Vegetationsentwicklung, Insekten und Brut aus den Fugen geraten ist.
Die zweite Gruppe erkundete mit Saba Cretti aus Schlanders, die an der Uni Bozen studiert und seit ihrer Kindheit Vögel beobachtet, die Wasservögel am Haider See. Dabei konnten unter anderem Blesshühner verschiedener Altersklassen, Haubentaucher, Zwergtaucher, Reiherenten, die bis drei Meter tief tauchen können, und Höckerschwäne beobachtet werden.

Der Praxistag wurde dann mit einem gemeinsamen Mittagessen und geselligem Beisammensein im Restaurant zum See in St. Valentin abgerundet, bevor mit neuen Eindrücken die Heimreise angetreten wurde – und vielleicht brütet der eine oder die andere ähnliche Gedanken aus.
Braunkehlchen © Massimo Santoro
© Massimo Santoro
© Massimo Santoro
Ringelnatter © Massimo Santoro
© Massimo Santoro
Haubentaucher© Massimo Santoro
Feldlerche © Massimo Santoro
© Massimo Santoro
Mehlschwalbe © Massimo Santoro
 
 
 
Fotos von Massimo Santoro